#DGINA2020digital – Was die Besucher der DGINA-Jahrestagung 2020 erwartet

„Notfallmedizin digital“ lautet das Motto der diesjährigen DGINA-Jahrestagung, die vom 11. Bis 13. November in Wolfsburg stattfinden sollte. Nachdem das Programm in großen Teilen fertig war, mit dem Neuen Hafen eine bemerkenswerte Kongresslocation gefunden und die Eventlocation Phaeno für die Abendveranstaltung gebucht war, erreichte die Corona-Pandemie auch Deutschland. Schweren Herzens mussten die beiden Kongresspräsidenten Dr. Bernadett Erdmann und Dr. Stefan Sudmann sowie der Vorstand der DGINA erkennen, dass ein Präsenzkongress in der geplanten Form nicht durchzuführen ist.
Sie machten aus der Not eine Tugend, nahmen das Motto des Kongresses wörtlich und übersetzen derzeit „DGINA2020 digital“ in ein vollständiges Online-Format. Was bedeutet das? Wie wird das Programm virtuell umgesetzt? Die Kongresspräsidenten und Isabel Lück von der Young DGINA  beantworten die wichtigsten Fragen.

Fragen an die Kongresspräsidenten:
Wie kam es zu der Entscheidung für einen rein digitalen Kongress?
Wir hatten uns natürlich sehr darauf gefreut, etwa 1500 Gäste mit einem spannenden, abwechslungsreichen Programm in der modernen Kongresslocation Hafen 1 in der Autostadt Wolfsburg zu begrüßen zu dürfen – und mit einer krachenden Abendveranstaltung zu verabschieden. Umso größer war zunächst die Enttäuschung, dass wir die Veranstaltung aufgrund der Corona-Pandemie nicht in der geplanten Form durchführen können. Nachdem wir zunächst noch andere Formate, wir beispielsweise eine Kombination aus einer kleineren Präsenzveranstaltung mit Livestreaming diskutiert haben, wurde schnell klar: Nur ein komplettes online-Format ist möglich, getreu dem Motto des Kongresses: DGINA2020 digital.

Was bedeutet das genau – erleben wir nun 1:1-Kopie des geplanten Kongresses in Form von Zoom-Meetings?
Nein. Wir haben in der Tat sehr intensiv darüber diskutiert, ob wir das Präsenzprogramm einfach in Form von online-Sessions abhalten. Uns war aber schnell klar, dass wir mehr interaktive Formate brauchen, um Neugier zu wecken. Deswegen werden wir die digitalen Möglichkeiten voll ausschöpfen und einen neuen digitalen Raum schaffen. Neben klassischen moderierten Sessions mit mehreren Vorträgen wird es dort u.a. die Möglichkeit geben, sich in „Breakout Sessions“ mit den Vortragenden zu treffen und zu diskutieren. Kurse werden in einem interaktiven Format abgehalten – teils mit vorab versendeten Übungsmaterialien, teils unter Zuhilfenahme von Virtual Reality.

Welche Uhrzeiten wurden festgelegt?
Grob gesagt sind die drei Tage in einen Vormittag und einen Nachmittag bzw. Abend unterteilt. Es wird Sessions in der Zeit von 9 bis 12 Uhr und von 14 bis 17 Uhr geben, sowie eine abendliche Podiumsdiskussion. Darüber hinaus veranstaltet die Young-DGINA am Mittwoch und Donnerstag eine „Late Night Session“ in der Zeit von 19 bis 21 Uhr, einmal sogar bis 22 Uhr. Die Mittagszeit wird mit weiteren Angeboten ausgestaltet sein.

Müssen wir nun ganze Tage am Computer verbringen?
Nein. Dadurch dass die Vorträge aufgezeichnet werden, muss man nicht die Sorge haben, etwas Wichtiges zu verpassen. Sessions und Einzelvorträge, die man nicht live verfolgen konnte, kann man später in der Mediathek anschauen. Der Stress, innerhalb einer laufenden Session von Raum zu Raum wechseln zu müssen, weil man sich für Parallelveranstaltung besonders interessiert, entfällt. Die interaktiven Breakout Sessions finden allerdings nur live statt.

Wir empfehlen, möglicherweise bereits beantragten Fortbildungstage beizubehalten, damit Sie sich in Ruhe mit uns zusammen über die Tage auf die virtuelle Reise durch die online-Welt der Notfallmedizin machen können.  

Hat ein Online-Kongress auch Vorteile?
So schön ein Präsenzkongress ist – er ist auch mit viel Reisetätigkeit verbunden. Viele Teilnehmer, die weiter weg wohnen, müssen schon am Vortag anreisen. Bei einem Online-Kongress können sie jetzt Zeit und Kosten sparen. Das gilt im Übrigen natürlich auch für die Vortragenden. Wir können dieses Jahr den Dozentenkreis eher noch erweitern, sowohl international, aber auch auf nationaler Ebene. Es werden auf jeden Fall hochkarätige Sprecher aus Medizin und Politik kommen – lassen Sie sich überraschen!

Wie teuer sind die Tickets?
Wir haben uns mit dem Vorstand darauf verständigt, dass die Kosten für das Komplettpaket in der höchsten Kategorie unter 100 Euro liegen werden. Weiterhin soll es wie auch bisher eine Staffelung in Bezug auf die Berufsgruppen geben. Wir liegen damit deutlich unter den Kosten eines Präsenzkongresses – und Reisekosten und Unterkunft fallen auch noch weg.

Fragen an die Young DGINA

Welche Themen der Digitalisierung sind für den Nachwuchs unter den Ärzten, Pflegekräften und im Rettungsdienst besonders wichtig?
Aufgrund des fehlenden Fachgebietes gibt es im Moment wenig strukturierte Weiterbildungskonzepte zum Thema Notfallmedizin. Daher nutzen Nachwuchskräfte zunehmend digitale Weiterbildungsmöglichkeiten wie – meist kostenlose – Youtube-Videos, Podcasts oder auch Blogs. Bei der Masse des Angebots kann man leicht den Überblick verlieren und fühlt sich schnell überfordert. Auf dem Kongress wollen wir auf einige etablierte Formate hinweisen. Wir werden die Frage diskutieren, welche Chancen die Digitalisierung bei der eigenen Weiterbildung bietet – aber auch welche Grenzen sie hat. Beispielsweise beim Erlernen von Soft Skills. Wir möchten auch auf Nachteile und die negativen Aspekte einer Digitalisierung eingehen, die uns im Arbeitsalltag begegnen. Nur weil viele Informationen digital zur Verfügung stehen und nicht mehr in einer Papierakte zu finden sind, erleichtert das nicht immer den Arbeitsalltag.

Wie bringt sich die YOUNG DGINA in die Programmgestaltung des Kongresses ein?
Die Young DGINA hat – wie auch schon bei den letzten Kongressen – die Möglichkeit erhalten, eigene Sessions zu gestalten. In zwei Abendsessions werden wir zunächst den Einfluss der Digitalisierung auf unseren Alltag beleuchten – positiv wie negativ. Zudem greifen wir die für uns sehr relevante Themen Teaching und Weiterbildung in der Notfallmedizin auf. Die Virtualität des Kongresses erlaubt uns, neue Formate auszuprobieren. Wir planen beispielsweise szenische Darstellungen und Diskussion mit dem Publikum. Rein fachliche Inhalte werden anhand von kleinen Impulsvorträgen eingefügt. Und bereits etablierte Formate wie das Speed Networking werden natürlich weiterhin stattfinden.

Welche Chancen bietet aus Ihrer Sicht ein rein virtueller Kongress?
Durch die neuen Herausforderungen entwickeln wir uns auch als Fachgesellschaft technisch und digital weiter. Wir setzen uns mit ganz neuen Themen auseinander. Da die Vorträge aufgezeichnet werden, sind sie auch später abrufbar und erreichen wahrscheinlich ein größeres Publikum als vorher. Außerdem kann man für einen Online-Kongress leichter Top-Speaker aus dem Ausland gewinnen, die man im Normalfall nur schwierig bekommt. Aber natürlich hoffe ich sehr, dass die nächsten Kongresse wieder live stattfinden. Der persönliche Kontakt, das Netzwerken vor Ort und der direkte Austausch können einfach nicht technisch ersetzt werden.

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